Drei wackere Ritter, Kunstino, Humorello und Luluculos, aus dem Lande „überall“ hinter den 500 Buchen, ritten wieder einmal, wie so oft in den vielen Jahrungen, von Reych zu Reych, um von ihren Erlebnissen, aus ihrem Reych, zu berichten.
Ihre wilden Jahre waren zwar schon lange vorbei, doch so sahen sie immer noch aus.
Nun also ritten sie neben einander auf einem ausgefahrenen Feldweg, gleich neben der Benzinrossebene. Immer wenn ein Stinkelefant vorbei kam schreckten die Pferde, und die blechernen Rüstungen der Ritter fingen fürchterlich an zu klappern.
Dieses Mal führte ihr Weg in ein Reych, in dem gerade ein großes Volksfest veranstaltet wurde.
Von weitem schon hörte man die hoch zu Ross wacker-wankenden Recken daher geklappert kommen.
Die Gebeine der Pferde, so dünn wie 40er Zwirn, wackelten unter der zu tragenden Last.
Die Gäule schienen alle samt aus dem Gut Eiderbibch, wo alles staunt, dass alles noch läuft, ausgeborgt zu sein.
Die Rüstungen der Blechhelden zeigte hier und da schon rostige und mit Gemäßblech geflickte Stellen.
Die Gelenke der Rüstungen quietschten fürchterlich. Und zwar so laut, dass sie sich fortwährend anschreien mussten, wenn sie sich etwas sagen wollten, noch zu Mal die Visiere ihrer Helme ständig herunter geklappt waren, um dem Qualm und Gestank der Stinkelefanten zu entgehen.
Als die drei beim Volksfest ankamen, wollte Humorello die drei Wackeren durch heben seines rechten Armes zum Halten bewegen – es ging nicht!
Das Scharnier gab seinen Dienst auf, was seinen wackeren Gefährten Luluculos dazu verleitete, heftig auf Humorellos Arm zu schlagen.
Doch die Stifte der Scharniere mussten noch aus Vor-Ritterlichen Zeiten stammen, denn das Blech fiel auf seiner gesamten rechten Seite ab, wodurch Humorello linkslastig wurde und mit gespreizten Gliedmaßen vom Pferd kippte.
Wahrlich ein humorvoller Einstieg zum Volksfest, alles johlte und lachte.
Mit einem mordsmörderischen Krach kam er unten an. das Blech löste sich wie von Zauberhand, von seiner mageren Figur, nur der Helm wurde noch von seinem Haupte getragen.
Beschwerlich schwangen sich Luluculos und Kunstino von ihren müden Gäulen, um zu helfen.
Auch sie trugen zur Volksbelustigung bei, denn beim Aufsprung auf die Erde fielen ihre klapprigen Rüstungen von ihnen ab wie reife Birnen. Nur dass sie mehr Lärm veranstalteten als diese.
Für einen in der Nähe stehenden Schrotthändler war das natürlich ein gefundenes Fressen, wobei letzteres wohl eher rhetorisch zu verstehen sein sollte.
Nun standen die Drei im herkömmlichen Leinengewams da und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Und da waren diese auch schon:
Eine Horde wilder Kinder tanzte lachend und lärmend um sie herum, nahm sie gefangen.
Die Kinder nahmen jeweils einen Ritter in ihre Mitte und forderten mit Geschrei von ihnen, etwas über sich zu erzählen oder Kunststücke vorzuführen.
Kunstino nahm seine abgeschabte Gitarre vom Sattel seines Gauls. Und obwohl diese keine Saiten, aber immerhin noch zwei Seiten hatte, nämlich eine Vorder - und eine Rückseite, begann er ein Lied zu krächzen. Die Kinder lachten über diese musikalischen Streifzüge aus der Opernwelt.
Humorello erzählte in seiner Kinderschar abgedroschene Witze, die er im universellen Netz gelesen hatte, die aber die Kinder alle schon kannten. Auch er wurde ausgelacht.
Lulculos versuchte den Kindern etwas über Zusammengehörigkeit, Freundschaft und Familie zu erzählen.
Doch die Kinder konnten mit dem Gesagten nicht viel anfangen, ließen ihn stehen und gingen wieder ihrer Wege. Wahrscheinlich war er zu „ober-Schl-au“ herangegangen und wurde nicht verstanden.
Mit gesenktem Haupt liefen die Ritter wieder zu ihren Pferden. Einsam und verlassen standen sie nun da und wusste sich keinen Rat.
Da tauchte plötzlich ein Wanderer auf einem Maultier auf und gesellte sich zu den Rittern von der traurigen Gestalt.
„Was ist mit euch“, fragte er, „habt ihr keinen Spaß am Volksvergnügen?“
Die drei zuckten mit den Schultern.
Da sagte der Wanderer:
„Was soll´s, Ihr habt eben nicht den richtigen Ton getroffen, das soll vorkommen. Erinnert euch, wie ihr als Kinder gesprochen habt, und schon werdet ihr mit alten Späßen auf neue Art oder mit neuen Späßen auf alte Art erzählt wieder ernst genommen. Könnt ihr glauben!“
Mit einem Male stimmte Kunstino ein Lied über gute Freunde an. Humorello, Luluculos und auch der Wanderer stimmten mit ein. Sie hakten sich unter und zogen gemeinsam weiter. Ihre Zottelpferde trotteten gemächlich hinter her.
Nein, nicht der Schrottwarenhändler war der Gewinner – sie hier, die vier Freunde, gingen gemeinsam auf einem Weg zu anderen Festen, in weitere Reyche!
Die Geschichte ist frei erfunden. Ähnlichkeiten mit existierenden Reychen sind rein zufällig...
Sonntag, 30. Dezember 2007
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