Am zweiten Weihnachtstag, der große Trubel war endlich vorbei, saß Dieter gemütlich auf der Couch im Wohnzimmer. Erika, seine Frau, war bei ihrer Freundin der Tratschtante Hilde im zweiten Stock und sie zogen wieder über Gott und die Welt her.
Wie gesagt, Dieter saß auf seiner Couch, hatte die Fernbedienung des Fernsehers in der Hand und zappte die Sender rauf und runter, in der Hoffnung etwas Interessantes zu entdecken. Plötzlich hörte er auf einem Sender, dass die Nussknackersuite gespielt wurde. Das brachte ihn auf den Gedanken Nüsse zu essen. Er aß Nüsse für sein Leben gern. Wenn er welche zwischen die Finger bekam, aß er solange bis keine mehr da waren. Aus diesem Grunde, oder besser gesagt deswegen, hatte Erika, die auch gern Nüsse aß, aber nur soviel, bis ihr Appetit gestillt war, die Objekte der Begierde ihres Mannes versteckt. Sie versteckte sie aber immer so, dass es für Dieter immer schwieriger wurde sie zu finden.
So ein Zeitpunkt des Suchens war für Dieter nun gekommen. Seine Geduld beim Suchen war grenzenlos. Jede Ecke, jeder Schieber, unter jedem Schrank, ja selbst in den Blumenvasen schaute er nach. Dieses Mal war es aber schwieriger, Erika hatte ein Versteck ausgesucht, auf das Dieter nicht gleich kam. Doch seine Ausdauer hatte sich gelohnt. Erika hatte Dieters Lieblingsnaschwerk ganz unten in ihren Strickkorb versteckt. Freudestrahlend hielt er sie hoch, schüttelte die Kiste und nickte zufrieden. Langsam öffnete er sie. Vor ihm lag nun eine große Auswahl von Nüssen, Walnüsse, Erdnüsse, Haselnüsse und Paranüsse. Für welche sollte er sich nun entscheiden. Mit dem Finger rührte er in den Nüssen herum, bis er eine Paranuss in der Hand hatte. Diese wollte er als erste essen. Er holte den neuen Nussknacker, einen aus Metall, um dem hartschalige Objekt zu Leibe zu rücken. Er drückte und drückte, stand dazu auf um den Druck zu verstärken, legte eine Seite des Nussknackers auf den Tisch und drückte mit den beiden Hände auf die andere Seite, doch die Schale der Nuss gab nicht nach. „Was nun?“ ,dachte er sich. Er kam auf die Idee, die Nuss mit dem Hammer zu öffnen. Dazu holte er aus der Werkzeugkiste im Abstellkämmerchen einen dreihundert Gramm Hammer und ein kleines Holzbrettchen. Er schob die Tischdecke etwas beiseite, legte das Brettchen darauf, nahm die Nuss, legte sie auf das Brettchen. Nun war die Nuss ja nicht gleichmäßig, sondern hatte mehr die Form eines Dreiecks. Jedenfalls blieb sie nicht so liegen, wie Dieter es wollte. Mehrere Male versuchte er sie in die richtige Lage zu bringen. Schließlich war es soweit, die richtige Position erreicht schien. Vorsichtig tippte er die Nuss mehrere Male mit dem Hammer an, um den dann den entscheidenden Schlag ausführen zu können. Dreimal wippte er mit dem Hammer, dann schlug er zu. Plötzlich schnippte die Nuss, die nicht kaputt gegangen war, von den Brettchen davon und zwar wie ein Geschoss in Richtung Aquarium. Sie durchschlug die Glasscheibe und das Wasser samt Fische ergoss sich aus dem Aquarium auf den Fußboden. Die Wasserlache erreichte die Steckverbindung der Verlängerungsschnur, die die Steckdose in der Wand mit der Christbaumbeleuchtung verband. Ein Kurzschluss war die Folge. Es wurde Dunkel. Just in dem Moment, als das alles passierte, kam Erika von ihrer Schwatzparty zurück. Hilfe suchend schrie sie in die Dunkelheit nach Dieter. Der stand noch immer unter Schock im Wohnzimmer und hörte den platschenden Fischschwänzen seiner Guppys und Blackmollis zu. Da Erika wusste wo die Taschenlampe zu suchen war, holte sie diese schnell und lief damit sofort in das Wohnzimmer. Der Lichtstrahl traf genau in Dieters entsetztes Gesicht. Dann leuchtete sie auf den Tisch und sah die geöffnete Kiste mit den Nüssen.
„Hab ich mir es doch gedacht“; rief sie.
„Sehe zu, wie du das wieder in Ordnung bringst. Ich gehe derweilen zu Hilde“, sagte sie und verschwand.
„Nie wieder esse ich Nüsse“, stöhnte Dieter und begann mit dem Aufräumen.
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